Ist eine Infrarotheizung sinnvoll? Die ehrliche Rechnung
Zuletzt aktualisiert am 4. September 2026
Die kurze Antwort: als alleinige Heizung eines Hauses fast nie, für einzelne Räume überraschend oft. Der Unterschied zwischen beiden Fällen ist keine Geschmacksfrage, er lässt sich ausrechnen. Diese Seite macht genau das.
Inhaltsverzeichnis
Die kurze Antwort in einem Absatz
Eine Infrarotheizung wandelt Strom vollständig in Wärme um, mehr als eine Kilowattstunde Wärme je Kilowattstunde Strom ist physikalisch nicht möglich. Eine Wärmepumpe holt aus derselben Kilowattstunde das Drei- bis Vierfache, eine Gasheizung bezieht ihre Energie aus einem Brennstoff, der ein Drittel des Strompreises kostet. Im laufenden Betrieb ist Infrarot deshalb immer die teuerste Lösung. Sinnvoll wird sie dort, wo die Alternative nicht am Betrieb scheitert, sondern an der Investition: in Räumen, für die eine Heizungsanbindung ein paar tausend Euro kostet und die nur wenige Stunden im Jahr Wärme brauchen.

Als Hauptheizung: die Rechnung
Nehmen wir eine 100 Quadratmeter große Wohnung im sanierten Bestand mit rund 10.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr.
| Wärmequelle | Preis je kWh | Nutzungsgrad | Kosten im Jahr |
|---|---|---|---|
| Infrarot, Haushaltsstrom | 37,0 ct | 1,0 | 3.700 € |
| Infrarot, Neukundentarif | 24,8 ct | 1,0 | 2.480 € |
| Gasheizung | 11,93 ct | 0,9 | 1.325 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | 31,1 ct | 3,5 | 889 € |
Der Abstand ist so groß, dass ihn keine Optimierung schließt. Ein Thermostat, ein Zeitprogramm oder ein Tarifwechsel senken die Infrarot-Rechnung um zwanzig bis vierzig Prozent, aber nicht auf ein Drittel.
Die zwei Ausnahmen, in denen die Vollbeheizung trotzdem aufgeht:
Der Passivhaus-Fall. Wenn der Wärmebedarf statt 10.000 nur 2.500 Kilowattstunden beträgt, kostet Infrarot 925 Euro im Jahr statt 3.700. Der Abstand zur Wärmepumpe schrumpft auf ein paar hundert Euro, während deren Anschaffung fünfstellig ist. Bei sehr niedrigem Bedarf kippt die Rechnung tatsächlich.
Der Photovoltaik-Fall, teilweise. Eigenstrom kostet 8 bis 14 Cent statt 37. Das halbiert bis drittelt die Betriebskosten, allerdings nur in den Monaten, in denen die Anlage liefert. Der Wärmebedarf ist von November bis Februar am höchsten, der Solarertrag am niedrigsten. Als Vollversorgung trägt das nicht, in den Übergangsmonaten sehr wohl. Mehr dazu unter Smart Home.
Was das neue Gesetz daran ändert
Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat am 29. Juli 2026 das Gebäudeenergiegesetz abgelöst. Die wichtigste Änderung: Die Pflicht, neue Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie zu betreiben, ist ersatzlos entfallen. Bis 2045 sollen Heizungsbrennstoffe klimaneutral sein, ab 2029 greift dafür eine stufenweise steigende Bioquote bei Gas und Öl.
Was das für Infrarotheizungen bedeutet, nüchtern betrachtet: Die frühere Diskussion, ob eine Stromdirektheizung die 65-Prozent-Anforderung erfüllt, hat sich erledigt. Die veröffentlichten Übersichten zum neuen Gesetz treffen zu Stromdirektheizungen allerdings keine eigenen Aussagen. Wer eine Infrarotheizung als alleinige Wärmequelle eines Gebäudes plant, sollte den aktuellen Stand deshalb von einem Energieberater prüfen lassen, statt sich auf eine Aussage im Netz zu verlassen. Für die Zusatzheizung eines einzelnen Raums neben einer vorhandenen Anlage war und ist die Frage ohnehin nicht relevant.
Und der wichtigste Punkt: Kein Gesetz ändert etwas an den Betriebskosten. Ob etwas erlaubt ist, ist eine andere Frage als ob es sich rechnet.
Sechs Fälle, in denen es sich lohnt
Das Bad. Zwanzig Minuten am Morgen, eine halbe Stunde abends. Ein 600-Watt-Paneel kostet rund 37 Euro je Heizsaison. Eine eigene Heizungsanbindung für denselben Raum kostet einmalig das Zehn- bis Zwanzigfache. Mehr dazu unter Bad.
Das Gästezimmer. Zwanzig Nutzungstage im Jahr, den Rest der Zeit auf 15 Grad temperiert. Die Anbindung an die Zentralheizung amortisiert sich nie.
Der Anbau ohne Leitung. Wintergarten, ausgebauter Speicher, Hobbyraum im Keller. Wo keine Leitung liegt, kostet der Weg dorthin mehr als zwanzig Jahre Stromkosten.
Das Homeoffice. Ein Raum, der an vier Tagen die Woche fünf Stunden warm sein muss, während der Rest des Hauses kalt bleiben kann. Genau dafür ist Einzelraumbeheizung gemacht.
Die Übergangszeit. September und Mai, wenn die Zentralheizung noch aus ist und ein Raum trotzdem kühl. Zwei Wochen Infrarot sind billiger, als die ganze Anlage anzuwerfen.
Die Mietwohnung. Wo nicht gebaut werden darf, ist ein Steckergerät oft die einzige Lösung, siehe Standgerät.
Vier Fälle, in denen es sich nicht lohnt
Als Ersatz für eine funktionierende Zentralheizung. Der Betriebskostensprung ist zu groß, und ein vorhandener Anschluss stillzulegen macht ihn nicht billiger.
In einem ungedämmten Altbau als Dauerlösung. Bei 100 bis 120 Watt je Quadratmeter Bedarf laufen die Paneele fast durch. Die Dämmung ist dort die Investition mit der besseren Rendite.
In großen Räumen mit langer Nutzung. Ein 30 Quadratmeter großer Wohnbereich, acht Stunden am Tag beheizt, kostet mit Infrarot vierstellig je Saison.
Als Sparheizung, weil das Gerät billig ist. Der Kaufpreis ist der kleinere Teil der Rechnung. Die Stromkosten überholen ihn im zweiten Jahr, siehe Kosten.
Der Entscheidungsweg in fünf Fragen
1. Gibt es in dem Raum bereits einen Heizkörper? Wenn ja, ist Infrarot fast immer die teurere Lösung. Ausnahme: Der Heizkörper braucht so lange, dass Sie den Raum trotzdem nicht kurzfristig nutzen können.
2. Was kostet eine Anbindung an die vorhandene Heizung? Holen Sie einen Richtwert ein. Zwischen 1.500 und 4.000 Euro sind üblich, je nach Leitungsweg.
3. Wie viele Stunden im Jahr braucht der Raum Wärme? Unter 300 Stunden spricht fast alles für Infrarot, über 800 Stunden fast alles dagegen.
4. Wie gut ist der Raum gedämmt? Rechnen Sie den Bedarf aus, statt zu schätzen, unter Watt berechnen.
5. Haben Sie Photovoltaik? Dann verschieben sich die Grenzen in den Übergangsmonaten deutlich zugunsten von Infrarot.
| Ihr Fall | Empfehlung |
|---|---|
| Ein Raum, wenige Stunden, keine Leitung | Infrarot, klar |
| Ein Raum, viele Stunden, Leitung vorhanden | Anbindung an die Zentralheizung |
| Ganze Wohnung, Neubau mit sehr geringem Bedarf | Infrarot rechnerisch möglich, Energieberater fragen |
| Ganze Wohnung, Bestand | Wärmepumpe oder Gas, nicht Infrarot |
| Übergangszeit überbrücken | Infrarot, ein Standgerät genügt oft |
| Feuchter, wenig genutzter Raum | Infrarot als Grundtemperierung, siehe Schimmel |
Was die Rechnung besser macht
Wenn die Entscheidung für Infrarot fällt, entscheiden drei Dinge über die Höhe der Rechnung:
Das Thermostat. Zwischen ungeregeltem Betrieb und einem Wochenprogramm liegen 40 bis 50 Prozent Verbrauch. Kein anderes Bauteil hat ein besseres Verhältnis von Preis zu Wirkung, mehr dazu unter Thermostat.
Die richtige Auslegung. Ein zu schwaches Paneel läuft dauernd und wird trotzdem nicht warm. Das ist teurer als ein passend dimensioniertes.
Der Stromtarif. Zwischen Grundversorgung und Neukundentarif liegen 18 Cent je Kilowattstunde. Bei 500 Kilowattstunden im Jahr sind das 90 Euro, ohne dass sich an der Technik irgendetwas ändert.
Wie die Technik überhaupt funktioniert, steht unter Funktionsweise, die vollständige Verbrauchsrechnung unter Stromverbrauch, die kritische Bilanz unter Nachteile und die Kaufkriterien unter Infrarotheizung kaufen. Die Grundlagen zur Deckenmontage stehen auf der Startseite.
Häufige Fragen
Ist eine Infrarotheizung als Hauptheizung sinnvoll?
In einem sehr gut gedämmten Neubau mit sehr geringem Wärmebedarf kann die Rechnung aufgehen, weil die Betriebskosten dann klein bleiben und die Anschaffung gegenüber einer Wärmepumpe stark im Vorteil ist. Im Bestand ist sie es fast nie: Bei 10.000 Kilowattstunden Jahresbedarf zahlen Sie mit Infrarot das Zwei- bis Vierfache einer Gasheizung oder Wärmepumpe.
Lohnt sich eine Infrarotheizung als Zusatzheizung?
Häufig ja. Der typische Gewinnerfall ist ein Raum, der wenige Stunden im Jahr Wärme braucht und für den eine Heizungsanbindung mehrere tausend Euro kosten würde: Bad, Gästezimmer, Homeoffice, Anbau, Hobbyraum.
Was hat sich durch das Gebäudemodernisierungsgesetz geändert?
Es hat am 29. Juli 2026 das Gebäudeenergiegesetz abgelöst und die Pflicht zu 65 Prozent erneuerbarer Energie bei neuen Heizungen ersatzlos gestrichen. Zu Stromdirektheizungen enthalten die veröffentlichten Übersichten keine eigenen Aussagen. Wer Infrarot als alleinige Wärmequelle plant, klärt das am besten mit einem Energieberater.
Ab wie vielen Betriebsstunden lohnt sich Infrarot nicht mehr?
Als grobe Grenze: Unter 300 Betriebsstunden im Jahr spricht fast alles dafür, über 800 Stunden fast alles dagegen. Dazwischen entscheidet, was eine Anbindung an die vorhandene Heizung kosten würde.
Rechnet sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?
In den Übergangsmonaten deutlich, im Hochwinter kaum. Eigenstrom kostet 8 bis 14 Cent statt 37, damit halbieren sich die Betriebskosten in März, April und Oktober. Von November bis Februar reicht der Ertrag für den Wärmebedarf nicht aus.
Ist eine Infrarotheizung umweltfreundlich?
Sie ist so sauber wie der Strom, mit dem sie läuft. Aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme, während eine Wärmepumpe daraus drei bis vier macht. Bei gleichem Strommix ist Infrarot deshalb die Variante mit dem höheren Primärenergieeinsatz. Mit eigenem Solarstrom sieht die Bilanz anders aus.