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Infrarotheizung Stromverbrauch: die echte Rechnung

Zuletzt aktualisiert am 2. September 2026

Beim Stromverbrauch trennen sich zwei Lager. Herstellerseiten rechnen mit optimistischen Einschaltzeiten und kommen auf Beträge, die nach Kleingeld aussehen. Kritiker rechnen mit Dauerbetrieb und kommen auf Zahlen, bei denen niemand mehr kauft. Beides ist rechnerisch korrekt und praktisch falsch. Hier stehen beide Werte nebeneinander, dazu die Annahmen, mit denen sie zustande kommen.

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Inhaltsverzeichnis

Die Rechenformel

Verbrauch in Kilowattstunden gleich Leistung in Kilowatt mal Betriebsstunden. Kosten gleich Verbrauch mal Strompreis.

Ein Beispiel zum Mitrechnen: Ein Paneel mit 1.000 Watt läuft an 150 Heiztagen jeweils vier Stunden. Das sind 1,0 Kilowatt mal 600 Stunden gleich 600 Kilowattstunden. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag laut BDEW-Strompreisanalyse im August 2026 bei 37,0 Cent je Kilowattstunde. Macht 222 Euro in der Saison.

Der entscheidende Wert in dieser Formel sind die Betriebsstunden, und genau dort wird gemogelt.

Digitaler Stromzähler, an dem sich der Verbrauch der Infrarotheizung ablesen lässt

Warum die Einschaltdauer alles entscheidet

Eine Infrarotheizung mit Thermostat läuft nicht durch. Sie heizt auf, das Thermostat schaltet ab, der Raum kühlt langsam aus, das Thermostat schaltet wieder zu. Wie hoch der Anteil der Einschaltzeit ist, hängt an drei Dingen: an der Dämmung, an der Dimensionierung des Paneels und an der gewünschten Temperatur.

Als Anhaltswerte für ein passend ausgelegtes Paneel:

Situation Einschaltdauer
Neubau, gut gedämmt, 20 Grad Zieltemperatur 35 bis 45 Prozent
Saniertes Gebäude, normale Dämmung 50 bis 60 Prozent
Altbau, ungedämmt, kalte Außenwände 70 bis 90 Prozent
Ohne Thermostat, Dauerbetrieb 100 Prozent

Die Tabellen weiter unten rechnen mit 55 Prozent. Das ist der realistische Mittelwert für eine sanierte Wohnung mit korrekt dimensioniertem Paneel. Wer im ungedämmten Altbau wohnt, rechnet mit dem Dauerbetriebswert und liegt damit näher an der Wahrheit.

Verbrauch je Raumgröße

Annahmen: 150 Heiztage, sechs Stunden Nutzung am Tag, Wattbedarf nach der üblichen Auslegung für gut gedämmte Räume, Strompreis 37,0 Cent je Kilowattstunde (BDEW, August 2026).

Raum Leistung Verbrauch bei Dauerbetrieb Verbrauch bei 55 Prozent Kosten Dauerbetrieb Kosten realistisch Kosten je Monat
10 m² 600 W 540 kWh 297 kWh 200 € 110 € 22 €
15 m² 800 W 720 kWh 396 kWh 266 € 147 € 29 €
20 m² 1.200 W 1.080 kWh 594 kWh 400 € 220 € 44 €
25 m² 1.500 W 1.350 kWh 743 kWh 500 € 275 € 55 €
30 m² 1.900 W 1.710 kWh 940 kWh 633 € 348 € 70 €

Die Monatswerte verteilen die Saisonkosten auf fünf Heizmonate. In Dezember und Januar liegen sie höher, im Oktober und März niedriger.

Wie Sie die passende Wattzahl für Ihren eigenen Raum ermitteln, steht mit Rechner unter Watt berechnen.

Rechenbeispiel mit aktuellem Strompreis

Ein 20 Quadratmeter großes Wohnzimmer, saniert, mit zwei Paneelen zu je 600 Watt an der Decke. Genutzt wird der Raum von Oktober bis März, werktags abends vier Stunden und am Wochenende acht Stunden. Das ergibt über 150 Heiztage rund 900 Betriebsstunden bei einer Einschaltdauer von 55 Prozent, also 495 tatsächliche Heizstunden.

1,2 Kilowatt mal 495 Stunden gleich 594 Kilowattstunden. 594 Kilowattstunden mal 0,37 Euro gleich 220 Euro je Heizsaison.

Auf den Monat gerechnet sind das 44 Euro. Wer denselben Raum ohne Thermostat durchheizt, zahlt 400 Euro.

Ein Hinweis, der bei Vergleichsrechnungen gern untergeht: Für Infrarotheizungen gibt es meist keinen vergünstigten Heizstromtarif. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass Direktheizer nicht von allen Netzbetreibern als steuerbare Verbrauchseinrichtung anerkannt werden und dass kein Anspruch auf einen günstigeren Tarif besteht. Rechnen Sie also mit normalem Haushaltsstrom, nicht mit einem Wärmestromtarif.

Vergleich zu Gas, Wärmepumpe und Nachtspeicher

Für denselben Wärmebedarf von 594 Kilowattstunden im 20-Quadratmeter-Raum:

System Rechenweg Kosten je Saison
Infrarotheizung 594 kWh mal 0,37 € 220 €
Gasheizung 594 kWh geteilt durch 0,90 Wirkungsgrad, mal 0,1193 € 79 €
Wärmepumpe, Jahresarbeitszahl 3,5 594 kWh geteilt durch 3,5, mal 0,37 € 63 €
Nachtspeicher Wie Infrarot, mit günstigerem Nachttarif je nach Tarif 150 bis 200 €

Der Gaspreis von 11,93 Cent je Kilowattstunde stammt aus der BDEW-Gaspreisanalyse vom August 2026 für Einfamilienhäuser. Die Rechnung unterstellt einen Kesselwirkungsgrad von 90 Prozent.

Die Zeile ist unbequem und gehört trotzdem hierher: Beim reinen Energieverbrauch verliert die Infrarotheizung deutlich. Gegen Gas um den Faktor 2,8, gegen die Wärmepumpe um den Faktor 3,5. Wer eine funktionierende Zentralheizung hat und sie durch Infrarotpaneele ersetzt, zahlt drauf.

Der Vergleich dreht sich, sobald Anschaffung und Wartung mitgerechnet werden und der Raum nur selten geheizt wird. Eine Gastherme für ein einzelnes Gästezimmer gibt es nicht, eine Wärmepumpe für die Werkstatt auch nicht. Die vollständige Gegenüberstellung inklusive Anschaffung steht unter Kosten, die Einordnung, wann sich das System rechnet, unter Ist eine Infrarotheizung sinnvoll?.

Warum die Deckenmontage den Verbrauch beeinflusst

Die Wattzahl bleibt gleich, der Nutzen nicht. Drei Effekte wirken zugunsten der Decke:

Kein Schattenwurf. An der Wand verschwindet ein Teil der Strahlung hinter Möbeln und heizt dort niemanden. An der Decke kommt fast die gesamte Strahlung auf der genutzten Fläche an. Dadurch ist die gefühlte Temperatur bei gleicher Lufttemperatur höher, und Sie können die Solltemperatur ein bis zwei Grad niedriger einstellen. Jedes Grad weniger spart grob 6 Prozent Heizenergie.

Gleichmäßigere Fläche. Der erwärmte Boden strahlt zurück und stabilisiert die Temperatur. Das Thermostat schaltet seltener.

Richtige Fühlerposition. Sitzt der Fühler im Strahlungskegel, schaltet er zu früh ab, der Raum bleibt kühl, und Sie drehen höher. Das kostet real Strom. Ein Wandfühler in 1,50 Metern Höhe außerhalb des Kegels verhindert genau das.

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Sechs Stellschrauben zum Sparen

  1. Thermostat nutzen, immer. Der Unterschied zwischen Dauerbetrieb und Thermostatbetrieb beträgt in der Tabelle oben rund 180 Euro je Saison. Alles andere ist Kosmetik dagegen.
  2. Zeitprogramm einrichten. Ein Bad muss von 6 bis 8 Uhr warm sein, nicht den ganzen Tag. Ein Wochenprofil im WLAN-Thermostat spart mehr als jeder Tarifwechsel. Details unter Smart Home.
  3. Ein Grad weniger. 21 statt 22 Grad senkt den Verbrauch um rund 6 Prozent. Bei Strahlungswärme fällt das Grad weniger kaum auf, weil die gefühlte Temperatur über der Lufttemperatur liegt.
  4. Richtig dimensionieren. Ein zu kleines Paneel läuft dauerhaft und erreicht die Zieltemperatur nie. Das ist der teuerste Betriebszustand überhaupt.
  5. Nur beheizen, was genutzt wird. Die Stärke des Systems ist die Einzelraumregelung. Ein Paneel je Raum, jedes mit eigenem Thermostat, und der Flur bleibt kalt.
  6. Türen zu. Strahlungswärme wirkt im Raum, in dem sie erzeugt wird. Eine offene Tür zum unbeheizten Flur macht die Auslegung zunichte.

Was der Betrieb insgesamt kostet und wo die Grenzen des Systems liegen, steht unter Kosten und Nachteile. Wie Sie das Paneel an der Decke richtig positionieren, damit die Strahlung ankommt, steht auf der Übersichtsseite zur Infrarotheizung an der Decke.

Häufige Fragen zum Stromverbrauch

Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung pro Stunde?

Genau so viel, wie ihre Leistung angibt, solange sie läuft. Ein Paneel mit 800 Watt verbraucht in einer Stunde Betrieb 0,8 Kilowattstunden, also rund 30 Cent bei 37,0 Cent je Kilowattstunde. Entscheidend ist, wie viele Stunden es tatsächlich heizt, und das regelt das Thermostat.

Was kostet eine Infrarotheizung im Monat?

Für einen 20 Quadratmeter großen Raum mit 1.200 Watt, sechs Stunden Nutzung am Tag und Thermostatbetrieb sind es rund 44 Euro im Monat. In einem 10 Quadratmeter großen Bad mit 600 Watt sind es rund 22 Euro. Ohne Thermostat verdoppeln sich beide Werte nahezu.

Verbraucht eine Infrarotheizung mehr Strom als ein Heizlüfter?

Bei gleicher Wattzahl in derselben Zeit verbrauchen beide gleich viel, denn beide setzen Strom vollständig in Wärme um. Der Unterschied liegt in der Wirkung. Ein Heizlüfter erwärmt die Luft, die schnell wieder abkühlt und beim Lüften verloren geht. Die Infrarotheizung erwärmt Oberflächen, die die Wärme länger halten. Bei gleicher Behaglichkeit läuft sie deshalb kürzer.

Gibt es günstigen Heizstrom für Infrarotheizungen?

Meist nicht. Ein vergünstigter Tarif setzt voraus, dass der Netzbetreiber die Heizung als steuerbare Verbrauchseinrichtung anerkennt, und dazu gibt es keinen Anspruch. Kommt ein Tarif zustande, der nur nachts günstig ist, hilft er einem Direktheizer wenig, weil geheizt wird, wenn der Raum genutzt wird.

Rechnet sich eine Infrarotheizung mit Photovoltaik?

Teilweise. Im Frühjahr und Herbst deckt eine Anlage einen Teil des Heizstroms, im Dezember und Januar liefert sie in Deutschland zu wenig, gerade in den Abendstunden, in denen geheizt wird. Wer mit Speicher rechnet, sollte die Winterlücke ehrlich einkalkulieren und die Anlage nicht allein wegen der Heizung dimensionieren.

Wie viel spart ein Thermostat wirklich?

In der Rechnung oben liegt der Unterschied zwischen Dauerbetrieb und einer Einschaltdauer von 55 Prozent bei einem 20-Quadratmeter-Raum bei 180 Euro je Heizsaison. Ein einfaches Steckdosenthermostat kostet unter 30 Euro und hat sich damit im ersten Monat bezahlt gemacht.

Maria Lengemann

Über die Autorin

Maria Lengemann

Maria Lengemann ist freie Texterin und Ghostwriterin mit über 17 Jahren Erfahrung im digitalen Marketing und Content-Bereich. Sie schreibt Ratgeber, Blogartikel und Webtexte für Unternehmen, die informieren statt blenden wollen. Als Mitgründerin der Diginauten GmbH begleitet sie außerdem kleine und mittelständische Betriebe bei Content-Strategie und Online-Sichtbarkeit.

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