Heizsaison 2026/27: was Strom jetzt kostet und wie Sie richtig rechnen
Die Heizsaison beginnt, und mit ihr die Frage, was eine Infrarotheizung diesen Winter kostet. Die kurze Antwort: weniger als im Vorjahr, aber immer noch das Dreifache von Gas. Die längere Antwort ist interessanter, weil der viel zitierte Durchschnittspreis für die eigene Rechnung fast nichts taugt.
Inhaltsverzeichnis
Die Zahlen zum Saisonstart
Stand 4. September 2026, nach Auswertung des Strom-Reports:
| Tarifart | Preis je kWh |
|---|---|
| Grundversorgung | 42,83 ct |
| Bestandskunden im Schnitt | 31,1 ct |
| Neukundentarife | 24,8 ct |
| Haushaltsdurchschnitt über alle Tarife | rund 37 ct |
Der Abstand zwischen der Grundversorgung und einem aktuellen Neukundentarif beträgt 18 Cent je Kilowattstunde. Das sind 73 Prozent Aufschlag für dieselbe Kilowattstunde, geliefert über dasselbe Netz.
Gesunken sind die Preise gegenüber dem Vorjahr vor allem wegen der Netzentgelte. Der Bund hat die Übertragungsnetzbetreiber 2026 mit 6,5 Milliarden Euro bezuschusst, was die Netzentgelte um rund 15 Prozent gedrückt hat. Sie liegen jetzt bei durchschnittlich 9,26 Cent je Kilowattstunde und machen damit rund ein Viertel des Strompreises aus.
Der Haken daran: Dieser Zuschuss ist für 2026 beschlossen, für 2027 nicht. Fällt er weg, kommen die 1,7 Cent netto je Kilowattstunde zurück auf die Rechnung. Das ist die wichtigste offene Zahl für die kommende Saison.
Warum der Durchschnittspreis in die Irre führt
Wer die Kosten seiner Deckenheizung mit dem Haushaltsdurchschnitt rechnet, bekommt eine Zahl, die für ihn selbst falsch ist, meist deutlich zu hoch oder zu niedrig.
Ein Rechenbeispiel: ein 1.000-Watt-Deckenpaneel in einem 14 Quadratmeter großen Raum, 150 Heiztage, sechs Stunden am Tag, 55 Prozent Einschaltdauer. Das ergibt 495 Kilowattstunden je Saison.
| Ihr Tarif | Kosten je Saison |
|---|---|
| Grundversorgung, 42,83 ct | 212 € |
| Bestandskunde, 31,1 ct | 154 € |
| Neukundentarif, 24,8 ct | 123 € |
Zwischen der teuersten und der günstigsten Variante liegen 89 Euro, und zwar für exakt dieselbe Wärme im selben Raum. Wer noch in der Grundversorgung steckt, spart durch einen Tarifwechsel mehr als durch jede technische Optimierung an der Heizung.
Erster Schritt vor allen anderen: Sehen Sie auf Ihrer letzten Jahresabrechnung nach, was Sie tatsächlich je Kilowattstunde zahlen. Diese Zahl ist die Grundlage jeder weiteren Rechnung.
Infrarot gegen Gas und Wärmepumpe
Der Vergleich für denselben Raum, 495 Kilowattstunden Wärmebedarf, bei den Preisen vom September 2026:
| Wärmequelle | Preis je kWh | Nutzungsgrad | Kosten je Saison |
|---|---|---|---|
| Infrarot, Neukundentarif | 24,8 ct | 1,0 | 123 € |
| Infrarot, Bestandskunde | 31,1 ct | 1,0 | 154 € |
| Gasheizung | 11,93 ct | 0,9 | 66 € |
| Wärmepumpe, JAZ 3,5 | 31,1 ct | 3,5 | 44 € |
Diese Reihenfolge ändert sich nicht, egal wie die Preise sich bewegen. Eine elektrische Direktheizung kann pro Kilowattstunde Strom höchstens eine Kilowattstunde Wärme liefern, eine Wärmepumpe das Drei- bis Vierfache.
Was die Tabelle nicht zeigt: die Investition. Ein Deckenpaneel mit Montage kostet 300 bis 500 Euro. Einen Raum an die vorhandene Gasheizung anzubinden, kostet je nach Leitungsweg 1.500 bis 4.000 Euro. Bei 60 bis 90 Euro jährlicher Mehrkosten dauert es zwanzig Jahre und länger, bis sich die Anbindung rechnet. Genau das ist der Grund, warum die Technik in einzelnen Räumen trotz des schlechten Arbeitspreises sinnvoll bleibt.
Drei Hebel für diese Saison
Tarif prüfen. Der größte Einzelposten. Zwischen Grundversorgung und Neukundentarif liegen 18 Cent je Kilowattstunde. Wer seit Jahren nicht gewechselt hat, holt hier mehr heraus als mit jeder anderen Maßnahme.
Thermostat nachrüsten, falls noch keins da ist. Ein ungeregeltes Paneel läuft bei 100 Prozent Einschaltdauer statt bei 55. Das sind im Beispiel oben 900 statt 495 Kilowattstunden, also fast das Doppelte. Ein Steckdosenthermostat kostet 26 bis 40 Euro und ist in einer Minute eingebaut.
Zeitprogramm ehrlich einstellen. Ein Bad muss von 6 bis 8 Uhr und abends für eine Stunde warm sein. Ein Homeoffice an vier Tagen die Woche, nicht an sieben. Jede Stunde, die im Programm gestrichen wird, ist eine Stunde, die nicht auf der Rechnung landet.
Was für 2027 zu erwarten ist
Zwei Entwicklungen stehen im Kalender und wirken gegenläufig.
Der Netzentgeltzuschuss. Läuft er zum Jahresende aus, steigen die Netzentgelte wieder um etwa 1,7 Cent netto je Kilowattstunde. Für den Beispielraum wären das rund 10 Euro mehr je Saison.
Der Ausbau erneuerbarer Erzeugung. Er drückt die Börsenpreise weiter, was sich bei Neukundentarifen schneller zeigt als bei Bestandsverträgen. Der aktuelle Neukundenpreis von 24,8 Cent ist bereits Ausdruck dieser Entwicklung.
Für die eigene Planung heißt das: Rechnen Sie mit einem Strompreis in der Größenordnung dieser Saison, nicht mit einem deutlichen Rückgang. Wer eine Deckenheizung anschafft, sollte die Betriebskosten mit dem eigenen aktuellen Arbeitspreis kalkulieren und nicht mit einer Hoffnung auf 2027.
Kurzfassung
- Der Haushaltsdurchschnitt liegt bei rund 37 Cent, Ihr eigener Tarif liegt fast sicher woanders.
- Zwischen Grundversorgung und Neukundentarif liegen 18 Cent je Kilowattstunde, das ist der größte Sparhebel dieser Saison.
- Ein 1.000-Watt-Deckenpaneel in einem 14 Quadratmeter großen Raum kostet je nach Tarif 123 bis 212 Euro je Saison.
- Gas und Wärmepumpe bleiben im Betrieb günstiger, die Investition für eine Anbindung amortisiert sich in Einzelräumen trotzdem selten.
- Für 2027 ist der Wegfall des Netzentgeltzuschusses das größte Risiko.