Wer eine Nachtspeicherheizung ersetzen will, kann das mit einer Infrarotheizung an der Decke tun, und das Gesetz legt dabei keine Steine in den Weg. Der Tausch einer vorhandenen Einzelraum-Stromdirektheizung ist seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ausdrücklich frei. Billiger wird die Wärme dadurch aber nicht automatisch, denn beide Geräte machen aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme. Ob sich der Wechsel lohnt, entscheiden Tarif, Steuerung und die Frage, ob für Ihr Haus nicht eine Wärmepumpe die bessere Antwort ist.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) gilt seit dem 29. Juli 2026 und hat das Gebäudeenergiegesetz abgelöst. Es definiert eine Stromdirektheizung als Gerät, das Raumwärme direkt über den elektrischen Widerstand erzeugt, und zwar ausdrücklich „auch in Verbindung mit Wärmespeichern“. Die Nachtspeicherheizung ist damit genauso eine Stromdirektheizung wie das Infrarotpaneel an Ihrer Decke.
Für den Einbau neuer Stromdirektheizungen in bestehende Gebäude mit Wohnungen setzt § 46 GModG eine hohe Hürde, denn der bauliche Wärmeschutz muss die gesetzlichen Anforderungen um mindestens 30 Prozent übertreffen. Ausgenommen sind Häuser mit höchstens zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine selbst bewohnt. Für Ihren Fall entscheidend ist Absatz 2. Danach gilt die Hürde nicht beim Austausch einer bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizung.
Steht in einem Raum ein Nachtspeicherofen, dürfen Sie ihn deshalb durch ein Infrarotpaneel ersetzen, auch in einer Mietwohnung im Mehrfamilienhaus und auch in einem Gebäude, das die Dämmanforderung nicht erfüllt. Wer dagegen in einem bisher anders beheizten Raum zusätzlich eine Infrarotheizung als Hauptheizung plant, muss die Regeln aus Absatz 1 prüfen.
Warum der Tausch allein keine Kilowattstunde spart
Nachtspeicher und Infrarotpaneel arbeiten beide mit einem Heizwiderstand. Physikalisch kommt aus jeder Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, bei beiden Geräten. Eine Heizung, die mehr Wärme liefert als sie Strom aufnimmt, gibt es in dieser Gerätefamilie nicht. Das kann nur eine Wärmepumpe.
Einsparen lässt sich trotzdem etwas, nur an anderer Stelle. Ein Nachtspeicher lädt nachts auf und gibt die Wärme über den Tag ab, ob jemand im Raum ist oder nicht. Gerade ältere Geräte geben auch bei geschlossener Klappe über das Gehäuse Wärme ab, oft in einen Raum, der tagsüber leer steht. Ein Infrarotpaneel mit Thermostat heizt dagegen nur dann, wenn die Raumtemperatur unter den eingestellten Wert fällt, und ein Zeitprogramm schaltet es ab, wenn niemand da ist. Wie viel das bringt, hängt von Ihrem Tagesablauf ab. Wer den ganzen Tag zu Hause ist und alle Räume gleichmäßig warm hält, spart wenig.
Der Haken liegt im Stromtarif
Nachtspeicheröfen laufen meist über einen eigenen Zähler mit günstigerem Nachtstrom. Dieser Niedertarif gilt in den Stunden, in denen der Speicher lädt. Eine Infrarotheizung braucht ihren Strom aber dann, wenn Sie Wärme brauchen, also morgens, abends und am Wochenende tagsüber. Ein Nachttarif hilft ihr wenig.
Rechnen Sie deshalb mit Ihrem normalen Haushaltsstrompreis. Laut der BDEW-Strompreisanalyse vom August 2026 lag der Durchschnitt für Haushalte bei 37,0 Cent je Kilowattstunde. Liegt Ihr bisheriger Heizstromtarif deutlich darunter, kann der Wechsel trotz besserer Regelung teurer werden. Prüfen Sie vor dem Ausbau zwei Zahlen auf Ihrer Jahresabrechnung: den Verbrauch des Heizstromzählers und den Preis je Kilowattstunde in beiden Tarifen. Multiplizieren Sie den bisherigen Heizstromverbrauch mit Ihrem Haushaltsstrompreis, dann haben Sie eine vorsichtige Obergrenze für den Stromverbrauch einer Infrarotheizung in denselben Räumen.
Welche Leistung das Paneel braucht
Nachtspeicher haben hohe Anschlusswerte, weil sie die Wärme eines ganzen Tages in wenigen Nachtstunden laden müssen. Diese Zahl taugt nicht als Maßstab für das neue Gerät. Ein Infrarotpaneel wird nach Raumgröße und Dämmung ausgelegt. Als Faustwert gelten 70 Watt je Quadratmeter bei guter Dämmung und 100 Watt je Quadratmeter im ungedämmten Altbau. Mit dem Rechner zum Watt berechnen kommen Sie für Ihren Raum auf eine belastbare Zahl.
Gerade in Altbauten, in denen Nachtspeicher früher Standard waren, ist die Decke oft die bessere Montagefläche. Die Wände sind mit Möbeln zugestellt, und vom Deckenpaneel aus erreicht die Strahlung den ganzen Raum. Bei einer Holzbalkendecke oder einer abgehängten Decke klären Sie vor der Deckenmontage, wo die Last sicher in die Konstruktion geht.
Wer sich für Deckenpaneele entscheidet, findet hier drei Geräte für Räume mittlerer Größe, alle mit eigener Temperaturregelung:
Asbest in Geräten, die vor 1984 hergestellt wurden, überwiegend schwach gebunden, etwa an Kernsteinträgern, Dichtungen oder der Rückwand.
PCB in Geräten, die vor Juli 1989 hergestellt wurden.
Chromat in fast allen Speichersteinen, teils in hohen Konzentrationen.
Schrauben Sie ein solches Gerät nicht selbst auf und tragen Sie es nicht zerlegt durchs Treppenhaus. Asbesthaltige Nachtspeicher gehören in die Hände eines Fachbetriebs mit Sachkunde nach TRGS 519, der den Abbau und die Entsorgung übernimmt. Das Typenschild nennt Hersteller und Baujahr, damit lässt sich die Frage meist schon vor dem ersten Angebot klären. Kalkulieren Sie diese Kosten von Anfang an mit ein.
Zum Elektrischen gehört eine zweite Prüfung. Nachtspeicher hängen häufig an eigenen Stromkreisen hinter dem Heizstromzähler. Ob diese Leitungen für die Paneele weitergenutzt werden können, ob der Zähler bleibt oder zurückgebaut wird, klärt ein Elektriker zusammen mit dem Netzbetreiber.
Förderung: was es gibt und was nicht
Für den Wechsel auf ein Infrarotpaneel gibt es keinen Zuschuss. Die Heizungsförderung der KfW (Programm 458) fördert unter anderem Wärmepumpen, Biomasse, Solarthermie und den Anschluss an ein Wärmenetz. Stromdirektheizungen stehen nicht auf der Liste.
Interessant ist der Klimageschwindigkeitsbonus. Ihn erhalten selbst nutzende Eigentümer, die eine funktionstüchtige Nachtstromspeicherheizung austauschen und fachgerecht entsorgen lassen, allerdings nur zusammen mit einer geförderten Heizung. Er beträgt derzeit 16 Prozent, sinkt laut KfW ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte und entfällt ab August 2028. Wer ohnehin über eine Wärmepumpe nachdenkt, sollte diesen Zeitplan kennen.
Wann Infrarot die richtige Wahl ist
Ein Infrarotpaneel an der Decke passt als Nachfolger, wenn einzelne Räume selten oder nur zu bestimmten Zeiten geheizt werden, etwa ein Gästezimmer, ein Büro oder das Bad. Es passt auch, wenn eine zentrale Heizung baulich nicht machbar ist, zum Beispiel in einer Etagenwohnung ohne Heizungsanschluss. Die Investition ist überschaubar, der Einbau betrifft nur den einzelnen Raum, und Sie behalten die Regelung Raum für Raum in der Hand.
Weniger gut passt es, wenn die ganze Wohnung bisher mit Nachtspeichern geheizt wurde und jeden Tag warm sein muss. Dann fällt der hohe Strombedarf voll ins Gewicht, und die Rechnung mit Haushaltsstrom fällt oft schlechter aus als mit dem alten Heizstromtarif. In diesem Fall lohnt ein Vergleich mit einer Wärmepumpe, gerade solange der Bonus gilt, und ein ehrlicher Blick auf die Nachteile der Infrarotheizung.
Häufige Fragen zum Ersatz der Nachtspeicherheizung
Darf ich meine Nachtspeicherheizung durch eine Infrarotheizung ersetzen?
Ja. § 46 Absatz 2 GModG nimmt den Austausch einer bestehenden Einzelraum-Stromdirektheizung von der Dämmanforderung aus. Das gilt auch in vermieteten Gebäuden und Mehrfamilienhäusern. In Mietwohnungen braucht der Umbau trotzdem die Zustimmung des Vermieters.
Ist eine Infrarotheizung sparsamer als ein Nachtspeicher?
Beim Wirkungsgrad nicht, beide machen aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme. Einsparungen entstehen nur durch bessere Regelung, also wenn Räume nicht mehr auf Vorrat beheizt werden. Dem steht gegenüber, dass der günstige Nachttarif meist nicht mehr nutzbar ist.
Wird der Austausch gefördert?
Der Wechsel auf Infrarot nicht. Die KfW fördert den Austausch einer Nachtspeicherheizung nur, wenn eine förderfähige Heizung wie eine Wärmepumpe nachfolgt. Dann gibt es zusätzlich den Klimageschwindigkeitsbonus.
Kann ich den Nachtspeicher selbst ausbauen?
Bei Geräten, die vor 1984 gebaut wurden, besser nicht. Sie können Asbest enthalten, dazu PCB und Chromat. Der Abbau gehört dann zu einem Fachbetrieb mit Sachkunde nach TRGS 519, der auch die Entsorgung übernimmt.
Wie viel Watt braucht das Deckenpaneel als Ersatz?
Richten Sie sich nach dem Raum, nicht nach dem alten Gerät. Bei guter Dämmung reichen rund 70 Watt je Quadratmeter, im ungedämmten Altbau rund 100 Watt. Ein 15 Quadratmeter großer Altbauraum braucht damit etwa 1.500 Watt, verteilt auf ein oder zwei Paneele.
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Die Heizsaison beginnt, und mit ihr die Frage, was eine Infrarotheizung diesen Winter kostet. Die kurze Antwort: weniger als im Vorjahr, aber immer noch das Dreifache von Gas.…