Infrarotheizung im Gästezimmer: der Fall, in dem sie sich wirklich rechnet
Infrarotheizungen haben einen schlechten Ruf bei den Betriebskosten, und der ist verdient. Es gibt trotzdem Räume, in denen die Rechnung eindeutig für sie ausgeht. Das Gästezimmer ist der klarste dieser Fälle, und zwar aus einem Grund, der mit der Heiztechnik nichts zu tun hat.
Inhaltsverzeichnis
Warum ausgerechnet dieser Raum
Ein Gästezimmer wird an 15 bis 30 Tagen im Jahr genutzt. Den Rest der Zeit steht es leer. Genau dieses Nutzungsprofil dreht die übliche Rechnung um.
Bei einer Wasserheizung hängt der Raum am Kreislauf des Hauses. Er wird mitgeheizt, auch wenn niemand darin schläft, weil das Abdrehen einzelner Heizkörper das hydraulische Gleichgewicht stört und der Raum sonst auskühlt. Der Aufwand für Leitungen und Heizkörper fällt an, egal wie oft der Raum genutzt wird.
Bei einer Infrarotheizung kostet der leere Raum fast nichts. Ein Paneel, das auf 15 Grad Grundtemperatur geregelt ist, läuft mit geringer Einschaltdauer. An den Tagen mit Besuch geht es auf 20 Grad, und weil das Paneel in zwei bis vier Minuten auf Betriebstemperatur ist, geht das ohne Vorlaufzeit.
Die entscheidende Zahl ist die Investition. Einen Raum an die vorhandene Heizung anzubinden, kostet je nach Leitungsweg 1.500 bis 4.000 Euro. Ein Deckenpaneel mit Thermostat und Montage kostet 300 bis 500 Euro. Bei 20 Nutzungstagen im Jahr amortisiert sich die Anbindung nie.
Die Rechnung für ein typisches Gästezimmer
Angenommen: 10 Quadratmeter, sanierter Bestand, ein 700-Watt-Deckenpaneel, Strompreis 37 Cent je Kilowattstunde.
Grundtemperierung auf 15 Grad, 180 Tage, geschätzte Einschaltdauer 18 Prozent: 0,7 Kilowatt mal 777 Stunden gleich 544 Kilowattstunden gleich 201 Euro.
Besuchsbetrieb, 20 Tage auf 20 Grad, 14 Stunden am Tag, Einschaltdauer 50 Prozent: 0,7 Kilowatt mal 140 Stunden gleich 98 Kilowattstunden gleich 36 Euro.
Zusammen rund 237 Euro je Saison.
Der größere Posten ist die Grundtemperierung, nicht der Besuch. Das ist der Punkt, an dem sich in diesem Raum tatsächlich sparen lässt.
Muss der Raum überhaupt temperiert werden?
Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, wo er liegt.
| Lage | Grundtemperierung nötig? |
|---|---|
| Innenliegend, beheizte Nachbarräume | nein, 15 Grad stellen sich von selbst ein |
| Eine Außenwand, gedämmt | meist nein, Tür gelegentlich offen lassen genügt |
| Zwei Außenwände, Altbau | ja, sonst droht Kondensat |
| Dachgeschoss, Schräge | ja, dort ist die Auskühlung am stärksten |
| Kellergeschoss | ja, dazu Lüftungszeitpunkt beachten |
Worum es dabei geht, ist nicht Komfort, sondern Kondensat. Das Umweltbundesamt nennt als eine der Hauptursachen für Schimmel die Kondensation der Luftfeuchte an kalten Wänden. Ein unbeheiztes Zimmer, dessen Tür zum warmen Flur gelegentlich offen steht, sammelt genau diese Feuchte an seinen kalten Außenwänden.
Praktische Regel: 15 bis 16 Grad als Untergrenze. Darunter steigt die relative Feuchte an den Oberflächen so weit, dass Kondensat entstehen kann. Wo der Raum innenliegend ist und die Nachbarräume geheizt werden, stellt sich dieser Wert ohne Zutun ein, dann sparen Sie sich die Grundtemperierung vollständig und kommen mit den 36 Euro Besuchsbetrieb aus.
Welche Leistung passt
| Raumgröße | Standard | Leistung | Bauform |
|---|---|---|---|
| 8 m², saniert | 70 W je m² | 560 W, gewählt 600 W | Deckenpaneel |
| 10 m², saniert | 70 W je m² | 700 W | Deckenpaneel |
| 12 m², saniert | 70 W je m² | 840 W, gewählt 860 W | Deckenpaneel |
| 10 m², Altbau | 100 W je m² | 1.000 W | Deckenpaneel |
| 10 m², Mietwohnung ohne Bohrerlaubnis | 70 W je m² plus Aufschlag | 800 W | Standgerät |
Ein Zuschlag von 10 bis 15 Prozent lohnt sich in diesem Raum besonders. Ein Gästezimmer ist bei Ankunft meist ausgekühlt, und die Gäste sollen es beim Betreten warm haben, nicht drei Stunden später.
Warum die Decke hier besonders passt
Drei Gründe sprechen im Gästezimmer für die Deckenmontage.
Die Wände sind belegt. Ein Gästezimmer ist meist der kleinste Raum der Wohnung, mit Bett, Schrank und oft einem Schreibtisch. Freie Wandfläche für ein Paneel von 120 mal 60 Zentimetern gibt es selten.
Der Raum wird mehrfach genutzt. Gästezimmer sind oft gleichzeitig Arbeitszimmer, Nähzimmer oder Abstellraum. Möbel werden umgestellt, und ein Wandpaneel steht dann hinter einem Schrank. Ein Deckenpaneel strahlt unabhängig von der Möblierung nach unten.
Der Anschluss ist da. An der Decke hängt eine Lampe. Ein Paneel mit integrierter LED nutzt denselben Anschluss und löst die Frage, ohne dass eine Leitung gezogen werden muss.
Was dabei zu beachten ist: Das Paneel gehört nicht über das Bettkopfende. Direkte Strahlung auf den Kopf über Stunden empfinden viele Menschen als unangenehm, und ein Gast wird das nicht sagen. Die richtige Position ist über der Bettmitte oder über dem freien Bereich vor dem Bett.
Die Steuerung, die diesen Raum billig macht
Ein Gästezimmer ist der Raum, in dem sich eine smarte Steuerung am schnellsten bezahlt macht, weil die Nutzung unregelmäßig ist und ein Wochenprogramm nichts nützt.
Grundeinstellung 15 Grad, dauerhaft. Das ist der Normalzustand für 340 Tage im Jahr.
Manuelles Hochsetzen bei Besuch. Am besten aus der App, sobald die Ankunftszeit feststeht. Zwei Stunden Vorlauf reichen selbst bei einem ausgekühlten Raum.
Automatische Rückkehr auf 15 Grad. Der wichtigste Punkt. Ein Raum, der nach dem Besuch drei Wochen auf 20 Grad weiterläuft, kostet 60 Euro, die niemand bemerkt. Stellen Sie eine Rückfallzeit ein oder tragen Sie das Abreisedatum gleich mit ein.
Für wen es sich nicht lohnt
Der Vollständigkeit halber die Gegenprobe. In diesen Fällen ist eine Infrarotheizung im Gästezimmer die schlechtere Wahl:
- Der Raum wird regelmäßig genutzt. Ab etwa 100 Nutzungstagen im Jahr, etwa als Homeoffice mit gelegentlichem Besuch, kippt die Rechnung. Dann lohnt die Anbindung an die vorhandene Heizung.
- Ein Heizkörper ist schon da. Ein vorhandener Anschluss stillzulegen und durch Strom zu ersetzen, ist in fast jedem Fall die teurere Lösung.
- Der Raum ist sehr groß. Ab 20 Quadratmetern brauchen Sie zwei Paneele, und die Betriebskosten steigen proportional.
- Es gibt eine Wärmepumpe im Haus. Sie liefert dieselbe Wärme für ein Drittel bis ein Viertel des Preises, eine Anbindung lohnt dann eher.
Kurzfassung
- Das Gästezimmer ist der Raum mit dem besten Verhältnis aus geringer Nutzung und hoher Anbindungsinvestition.
- Rund 237 Euro je Saison bei voller Grundtemperierung, rund 36 Euro, wenn keine nötig ist.
- 70 Watt je Quadratmeter im sanierten Bestand, plus 10 bis 15 Prozent für den Aufheizbedarf.
- Grundtemperatur nie unter 15 Grad, sonst droht Kondensat an den Außenwänden.
- Der größte vermeidbare Kostenblock ist ein Raum, der nach dem Besuch warm weiterläuft.